Footvolley: Soccer meets Beachvolleyball

Ballgefühl und Körperbeherrschung: So könnte man in zwei Worten das Schlüsselelement der Trendsportart Footvolley zusammenfassen. Im Rahmen eines Schnupperturniers in Wallau habe ich mich an der brasilianischen Sandakrobatik versucht und hier in einem Erfahrungsbericht das Regelwerk, die Entstehung des Sports und ein persönliches Fazit zusammengetragen.

Jedem Fußballer dürfte Fußball-Tennis ein Bergriff sein. Egal ob nach einem intensiven Wochenende zur Regeneration, um einfach mal etwas Abwechslung in den Trainingsalltag zu bringen oder um speziell das Ballgefühl zu fördern. Denn beim Fußballtennis – der Name lässt schon darauf schließen – wird nicht auf Toren, sondern über ein gespanntes Netz oder eine anderweitige Barriere inmitten zwei Felder, gespielt. Dabei kommt es dem Spielprinzip nach Volleyball näher, als Tennis. Der Ball wird in der Luft jongliert und schließlich in das andere Feld befördert.

 

Soccer meets Beachvolleyball

Beachvolleyball
Beachvolleyball

So ähnlich darf man sich auch Footvolley vorstellen, das, sprichwörtlich, eine Kombination aus Fußball (foot zu deutsch Fuß) und Volleyball ist. Doch während man Fußballtennis auf Rasen oder Hallenboden – einem flachen Untergrund eben – spielt, bewegt man sich beim Footvolley auf sandigem Geläuf. Ist die Anzahl der Spieler und deren Ballkontakte, sowie die Feldgröße oder Netzhöhe beim Fußballtennis als reine Freizeitbeschäftigung frei interpretierbar, ist sie beim zum offiziellen Sportart herangewachsenen Footvolley selbstverständlich fest vorgeschrieben. Gespielt wird auf einem Beachvolleyballfeld mit zwei Spielern pro Team und drei Ballkontakten pro Duo. Sprich: Mit dem dritten Ballkontakt muss der Ball über das Netz gespielt werden. Dabei wird – wie beim sportlichen Pendant – der Ballkontakt eines Spielers limitiert. Ballannahme und dann Zuspiel auf den Partner geht nicht. Ziel ist es durch Berührung des Ball im gegnerischen Feld oder Fehler des anderen Teams zu punkten. Alles keine Weltneuheiten. Doch der fußballerisch-akrobatische Aspekt macht dieses Spiel erst so interessant.

 

Ballzauber und Sandakrobatik

König Fußball regiert zu weiten Teilen die Welt. Egal ob Westeuropa, Afrika oder Südamerika. Selbst in Asien gewinnt er seit Jahren immer mehr an Stellenwert. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich zahlreiche Fusionierungen mit anderen Sportarten ergeben. Im Netz und den Sozialen Medien finden sich vermehrt Videos von Fußballgolf oder gar überdimensionale Formen von Dart und Billard mit dem runden Leder.

Der ein oder andere mag möglicherweise schon einmal eine akrobatische Variante des Fußballtennis gesehen haben, das vor allem im asiatischen Raum gespielt wird. Sepak Takraw nennt sich das fernöstliche Gegenstück zu dem hiesigen Fußballtennis und hat in Thailand sogar den Status des Nationalsports. Zu Footvolley weist es besonders vom Spielprinzip einige Parallelen auf, unterscheidet sich in einigen Punkten aber erheblich. Die drei markantesten Abweichungen sind wohl der Ball (kleiner, aus Hartplastik), die Netzhöhe (erheblich niedriger, eher wie beim Badminton) und der Untergrund (Hallenboden), die sich naturgemäß auf den Spielverlauf, Ballwechsel und die Akrobatik auswirken.

 

Die Strände Brasiliens: Geburtsstätte einer Trendsportart

Wie bereits gesagt, Footvolley wird auf einem Beachvolleyball-Court gespielt. Fußball im Sand ist nichts Neues; die Idee, einen Fußball über ein gut 2 Meter-Plus hohes Netz zu schießen doch recht abenteuerlich. Doch wie kam es dazu? Den Ursprung der Trendsportart findet sich erwartungsgemäß in etwas wärmeren Gefilden. Genauer gesagt, wurde Footvolley an den Ständen Brasiliens geboren und ist gar nicht so abstrus wie man gerne meinen möchte. Stattdessen lässt sich die Entstehungsgeschichte des Sand-Funsports in einer interessanten Anekdote erzählen.

Selbst der Fußball-Laie weiß nicht erst seit der WM vor drei Jahren: Brasilien und Fußball, das gehört irgendwie zusammen. Seit je her ist „brasilianisch“ ein Fußball Attribut für technische Versiertheit, „weißer Brasilianer“ ein Euphorismus für einen Nicht-Brasilianer mit erstaunlich gutem Ballgefühl bzw technischem Vermögen. Aber leider gehen auch Armut und Perspektivlosigkeit in Brasilien einher. Der Fußball gilt als eine der wenigen Möglichkeiten, aus der Armut zu entkommen und Kriminalität zu entgehen. Fußballschulen und Akademien werden daher – meist von ehemaligen Profis geführt – vermehrt gefördert, als große Hoffnung vieler junger Männer, nicht nur den Sprung ins Profitum, sondern auch nach Europa zu schaffen und somit den sozialen Aufstieg zu schaffen.

Es ist ein Klischee, dass brasilianische Fußball-Profis von den Stränden und Straßen der Favelas sich unmittelbar in die größten Stadien der Welt spielen. Doch, wie man weiß, steckt hinter jedem Klischee auch ein Fünkchen Wahrheit. So werden tatsächlich zahlreiche junge Spieler gezielt an den Ständen beim Beach-Soccer gescoutet. Grund dafür: Das Spielen auf den Sand wird als Technik-Schule der ganz eigenen Art betrachtet. Jeder Kicker der sich schon einmal am Beachsoccer versucht hat, weiß um die Schwierigkeiten den Ball zu kontrollieren. Zudem fördert es die Muskulatur in den Beinen und steigert die Schnellkraft und Wendigkeit.

Alles Attribute, die auch beim Footvolley entscheidend sind. Seinen Ursprung hat der Sport als in den 60er Jahren das Fußballspielen an öffentlichen Stränden verboten wurde. Man wollte die zahlreichen Strandbesucher schützen, gleichzeitig das Vereinsleben fördern. Also wurden kurzerhand die Netze aus den am Strand stehenden Toren entfernt, mit der Absicht das Fußballverbot durchzusetzen. Nun lässt sich ein Brasilianer bekannterweise nur schwer vom Ball trennen. Zu Beginn spielten die Fußballbegeisterten den Ball noch über die „leeren“ Tore, zogen aber recht schnell auf die Beachvolleyballfelder um und setzen ihr Spielen dort fort. So entwickelte sich der Trendsport über die Jahre, wie er heute in ganzer Welt betrieben wird und immer mehr an Popularität erfährt.

 

 Von der Copacabana in die Welt

Heute ist Footvolley nicht nur das Resultat und Ausdruck rebellierender Fußballbegeisterter aus Brasilien, sondern ein etablierter Sport mit festgeschriebenem Regelwerk und intakter, sowie stetig wachsender Netzwerken. Auch in Deutschland trifft es auf großen Zuspruch bei Jüngeren und Älteren. Seit den 90ern spielen es die Europäer, in den frühen 2000er entstanden offizielle Verbände und Föderationen. Etwa zur selben Zeit fanden die ersten größeren und internationalen Turniere auch in Deutschland statt. Doch so richtig sei der Sport hierzulande erst in den letzten 5 Jahren gewachsen. Gab es damals grademal 6 Spieler, ist die Anzahl heute auf ca. 150 herangewachsen. Mit dem Zusammenschluss von etwa 20 Vereinen zum Footvolley Germany, spielen die hiesigen Akrobaten auch in Deutschland, und darüber hinaus, auf Wettkampf Ebene. Das größte Event auf deutschem Sand ist sicherlich das mehrtägige Turnier im Baden-Württembergischen Schwäbisch Gmünd, das mit der diesjährigen dritten Auflage bereits Traditionscharakter annimmt.

 

Footvolley: Leidenschaft vieler Profi-Kicker und prominente Botschafter

Tradition hat es ja bereits in Südamerika. Demnach ist es auch nicht verwunderlich, dass viele brasilianisch stämmige Profi-Fußaller ihrer nationalen Leidenschaft auch fernab von der Copacabana treu bleiben. In ihrer Freizeit spielen viele Profis, die in Europa unter Vertrag stehen, die Funsportart. Bayern-Profi und Rechtsverteidiger der Seleção, Rafinha soll sogar einen eigenen Court im heimischen Garten haben.

Dennoch bemüht sich der Sport um mehr Aufmerksamkeit. Mit prominenten Botschafter soll Footvolley noch weiter wachsen. Darunter finden sich der ehemalige Beachvolleyball-Profi und Olympiasiger von 2012 Jonas Reckermann, sowie der ebenfalls im Beacholleyball bekannten Markus Dieckmann und ehemaliger Bundesliga-Profi Claudemir Jerônimo Barreto, der unter den Künstlername „Cacau“ vor allem für den VfB Stuttgart auf Torejagd gegangen ist.  Und wer etwas im Web surft, findet auch Bilder von Nationalspieler Jerome Boateng und Eintracht-Profi Alex Meier in ihrer Freizeit am Strand von Miami für den guten Zweck beim Footvolley.

 

Material und Ausrüstung

Auf dem ersten Blick möchte man meinen, dass es deutlich weniger an Ausrüstung bedarf, als beim herkömmlichen Kick auf dem Rasen. Man bedenke nur die Kosten für die teuren Fußball-Schuhe, die man sich bei der Sandsportart selbstversändlich sparen kann. Auch Schienbeinschoner und spezielle Bekleidung werden nicht benötigt. Ähnlich wie beim Beachvolleyball, brauch man nur eine – hoffentlich recht sanddichte – Gatrobe (T-Shirt und Kurze Hose, wer möchte auch Badehose) reicht meistens. Und natürlich einen Ball.

Bei näherer Betrachtung und vor allem im Winter, wird die akrobatische Ball-Leidenschaft im Sand doch recht kostspielig: Footvolley eher als eine prädestinierte sonnige Urlaubssportart, fordert zu kälteren Jahreszeiten Beachvolleyball-Felder in der Halle, dessen Anmietung meist nicht nur teuer, sondern auch unerwartet schwierig ist. Grund: Es gibt schlichtweg wenige Hallen, die Beachvolleyballfelder anbieten. Im hiesigen Main-Taunus-Kreis ist das Multisports in Wallau allein auf weiter Flur. Und auch beim Spielgerät selbst bedarf es – wenn man es ganz akkurat machen will – eine spezielle Anschaffung. Denn ein offizieller Footvolley-Ball ist leichter als ein normales Leder, doch schwerer als ein Beachvolleyball und meist in grell bunten Farben gehalten. Genau genommen ist es gar kein Leder. Das Material besteht hauptsächlich aus einem Gummi-Gemisch und ist sanfter für die unbedeckte Haut, selbst bei wuchtigen Ballwechsel.

Selbstversuch und Fazit

Beim Turnier im Multisports Wallau durfte ich selbst einmal in die Trendsportart hereinschnuppern. Da ich gerne und wann immer es geht Fußballtennis spiele, habe ich mir auch unter Anleitung und Beteiligung von echten Footvolleygrößen die Sandvariante des Ballzaubers zugetraut. Und ich habe bilanziert: Aufgrund des Sands ist, nebem einer großen Portion Ballgefühl, Leichtfüßigkeit gefragt. Misslingt eine Ballannahme oder ein Zuspiel auf ebenerdigen Grund, kann man es leichter noch ausmerzen, als es im Sand möglich ist. Der feste Stand fehlt; ein schneller Antritt um einem langen Ball hinterher zu sprinten ist fast unmöglich. (1. Die Ballannahme und das Zuspiel muss stimmen.)

Daraus folgt, dass ein längeres Spiel und langandauernde Ballwechsel ganz schön in die Wadenmuskulatur gehen – und nicht zuletzt in die Puste. Schon nach wenigen Minuten kommt man heftig ins Schwitzen. Die schnellen kurzen Bewegungen, die Konzentration auf den Ball und die artistischen Einlagen, wie Fallrück- oder Seitfallzieher und das Wiederaufstehen; das alles kostet mehr Kraft als man zunächst meinen möchte (2. Kräftezerrend und sehr intensiv für die Beinmuskulatur und Ausdauer.) Dazu kommt, dass die Präzision und Passstärke stimmen muss um die akrobatichen Einlagen zu ermöglichen; d.h. nicht zu nah an Netz aber auch nicht zu sehr in den Rücken zu spielen.

Besonders die Angaben vom Boden aus erscheinen zunächst etwas schwer. Zwar kann ein Sandhügel zur Hilfe gebaut werden, doch den Ball vom Boden über das Netz und trotzdem – möglichst gefährlich – ins überliegende Feld zu spielen, ist doch eine Herausforderung.

Zudem erwarten Frauen noch ein Erschwernis, das im Footvolley besonders ins Gewicht fällt: Die elementär wichtige Brustannahme. Sie dient der Ballannahme und Kontrolle und ist gleichzeitig ein einfaches Zuspiel für den Teamkollegen – häufig sogar ein „Stoppball“ ins andere Feld. Doch für Frauen ist das aus rein anatomischen Gründen erschwert, weshalb auf Annahmen mit dem Kopf, dem Oberschenkel oder dem Fuß notgedrungen ausgewichen werden muss und die Ballkontrolle nicht grade vereinfacht.

Trotz allem muss ich sagen: Auch als Einsteiger und Anfänger macht Footvolley super viel Spaß. Mit fußballerischem Hintergrund, fällt der Beginn natürlich leichter, ist aber nicht obligatorisch.

Die Vorteile gegenüber Fußball und Beachsoccer hat Footvolley bei den geringerem Verletzungsrisiko. Der Sand ist gelenkschonender, Kontakt mit dem Gegenspieler gibt es keine und auch schnelle „cuts“, also Drehungen im aus dem Knie oder Sprunggelenk gibt es eigentlich nicht. Die Vorzüge gegenüber Beachvolleyball sehe ich in den längeren Ballwechseln und einer größeren Herausforderung, da schließlich die Hände nicht benutzt werden dürfen. Außerdem können auch weniger hochgewachsene Leute Footvolley auf anspruchsvollem Niveau spielen.

Footvolley: Eine super Sommersportart für alle Kicker, um die Sommerpause zu überbrücken. Im Winter würde ich davon abraten, die Sportart auszutesten, da der Kostenpunkt von Anmietung etc. doch etwas zu hoch ist. Während der Sommerpause oder an wärmeren Tagen aber, kann man den Trendsport wunderbar mit einem See- oder Schwimmbadbesuch kombinieren; für den, der nicht nur faul auf der Haut liegen und sich sonnen möchten.

Deutschland - Wallau - 21.01.2017 / Footvolley Turnier
Deutschland – Wallau – 21.01.2017 / Footvolley Turnier

 

Info-Box: Regeln

Hier nochmal kurz und bündig die Regeln.

  • Gespielt wird auf einem Beachvolleyball-Feld (16 m x 8 m) mit einer Netzhöhe von 2,20 m.
  • Der Ball muss ohne den Gebrauch der Hände über das Netz in das überliegende Feld gespielt werden.
  • Punkte werden erzielt durch: Das Berühren des Balls im Feld des Gegners und Fehler der anderen Mannschaft, wie das Schlagen des Balls in das Netz oder Aus und zu viele Ballkontakte.
  • Zwei Spieler pro Team. Drei Ballkontakte Pro Seite, ein Spieler darf keine zwei aufeinanderfolgende Ballberührungen haben.
  • Für einen Satzgewinn sind 18 Punkte mit mindestens zwei Punkten Vorsprung nötig. Es werden zwei Gewinnsätze gespielt.
  • Angaben müssen vom Sand gespielt werden. Ein kleiner Sandhügel darf zur Hilfe errichtet werden.

 

Info-Box: Zahlen und Fakten

Hier nochmal ein paar Zahlen und Fakten zum Sport im Überblick.

  • Entstand im Laufe der 1960er Jahre in Brasilien maßgeblich durch ein Fußballverbot an den überlaufenen Stränden.
  • Etwa 30 Jahre später fand der Sport auch langsam nach Europa.
  • 2003 gründete sich die European Footvolley Federation (EFVF).
  • Zunächst lief sie noch unter dem Deckmantel des deutschen Beachsoccers, wo sie ebenfalls 2003 im Deutschen Beachsoccer-Verband (DBSV) aufgenommen wurde.
  • Seit 2007 ist sie mit der Gründung von Footvolley Germany auch hierzulande eine eigenständige Sportart.
  • Heute gibt es ca. 20 Vereine, mit 150 Spieler/innen. Die Clubs werden in Nord, West, Süd und Ost eingeteilt. Auf nationalen Turnieren werden die Rankings erspielt und für internationale Turnier qualifiziert.
  • Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro wird Footvolley als Demonstrationssportart gespielt und nur eine Woche darauf die sporteigene WM (ebenfalls ins Rio) ausgetragen. Das deutsche Duo (Joel Nießlein und Mo Obeid) wurde 4.
  • Ende Juni 2017 findet die Footvolley EM in Portugal statt.
  • Fußball-Profis, besonders aus Südamerika und Süd-Europa, sowie ehemalige Beachvolleyballer Spielen es vermehrt.

 

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