Die blaue Stunde und wie man sie fotografisch optimal nutzt

Fotografen nutzen die blaue Stunde für Nachtaufnahmen oder sogenannte Available-Light-Aufnahmen. Aus künstlerischen Beweggründen oder in Ermangelung künstlicher Lichtquellen. Bei Available-Light-Aufnahmen wird das vorhandene Licht verwendet. Dabei stellt die blaue Stunde bei klaren Wetterverhältnissen ein sattes und intensiv leuchtendes Blau zur Verfügung, das man sich ganz bewusst zunutze machen kann.

Natürliche (Tages-)Lichtverhältnisse

Geht man vom natürlichen Tageslicht aus, verändert sich dieses je nach Uhrzeit und hängt vom Breitengrad ab. Wetterlage und Klima spielen ebenfalls eine Rolle für Licht und Farbtemperatur. Wir kennen zum Beispiel die „goldene Stunde“, die sich während der Dämmerung abspielt. Sie taucht den Himmel in ein warmes Licht mit vielen Abstufungen von Gelb bis Orangerot und Pink. Fotografisch lässt sich die goldene Stunde für warmtemperierte, farbintensive Bilder einsetzen.

Wahrnehmung der Farbtemperaturen

Aufgrund unterschiedlicher Wellenlängen des Lichts nehmen wir verschiedene Farbtemperaturen wahr. Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben. Einerseits entscheidet die Art der Lichtquelle über die Farbtemperatur und damit über die „Stimmung“ eines Bildes (Kerze, Petroleumlampe, Glühbirne, Scheinwerfer, usw.). Auf der anderen Seite sind auch die natürlichen Lichtverhältnisse ausschlaggebend. Beim durchschnittlichen Tageslicht geht man von weißem Licht (5000 K) aus. Das entspricht der Farbtemperatur eines elektronischen Blitzes. Ein früher Sonnenaufgang dagegen spielt sich im Bereich von 2000 K ab und ist in helles Orange einzuordnen, das der Farbtemperatur einer Glühbirne nahekommt. Wozu brauchen wir diese Vergleiche? In der Fotografie ist die Farbtemperatur für den manuellen Weißabgleich auch bei Nachtaufnahmen wichtig. Mit dem Wissen zur Temperatur einer Lichtquelle, bzw. -verhältnissen können wir entsprechende Einstellungen vornehmen und anpassen.

Wann findet die blaue Stunde statt?

Im Gegensatz zur goldenen Stunde ist die blaue Stunde von einer kühlen Farbtemperatur gekennzeichnet. Sie findet nach der Dämmerung im Anschluss an die goldene Stunde statt und bevor die Nachtschwärze eintritt. Das heißt, es wirken noch Reste des Sonnenlichts auf den Himmel ein. Die blaue Stunde hat eine durchschnittliche Dauer von ungefähr 30 bis 45 Minuten in mitteleuropäischer Lage. Zu beachten ist die jahreszeitliche Verlagerung der Dämmerung und in manchen Breitengraden dauert sie nur 10 Minuten oder mehrere Wochen. Obwohl überwiegend für die Nachtfotografie eingesetzt, kann man die blaue Stunde auch am Morgen kurz vor dem Aufgehen der Sonne beobachten.

Unterschiede: Tiefschwarze Nacht – Blaue Stunde

Die tiefschwarze Nacht folgt nach der blauen Stunde und zeigt völlige Dunkelheit ohne Reste des Sonnenlichts und ohne Veränderung der Farbtemperatur (0 K). Die blaue Stunde bietet für die Fotografie satte Kontraste, besonders im Zusammenspiel mit weiteren Lichtquellen und schafft eine reizvolle Ästhetik. Durch den Weißabgleich lassen sich in der blauen Stunde subtile Effekte durch die Verschiebung der Farbtemperatur erzeugen. Speziell bei RAW-Formaten kann durch einen nachträglichen Weißabgleich eine perfekte Abstimmung der Farbtemperaturen vorgenommen werden, um den Blauton auf dem Bild intensiv und gegebenenfalls kühler/wärmer einzustellen.

Ermittlung der blauen Stunde per App

Um ein fotografisches Optimum herauszuholen, stellen Smartphones eine Vielzahl von Apps für die Ermittlung der blauen Stunde bereit. Die Besten hier: Für Android: „Blaue Stunde (Sonnenrechner)„, für iOS: „PhotoBuddy„. Die App „Sun Surveyor“ ist für beide erhältlich.

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